“Im Rahmen einer nachhaltigen Strategie muss Kommunikation wahrhaftig und verlässlich sein”
Roland Knillmann leitet die Stabsstelle Unternehmenskommunikation der Niels-Stensen-Kliniken GmbH in Georgsmarienhütte.
Herr Knillmann, wie definieren Sie Nachhaltigkeit?
In unserem Unternehmen bedeutet Nachhaltigkeit die Wiederherstellung der Gesundheit oder die Verbesserung der Lebensqualität. Wir denken daher langfristig statt kurzfristig. Um die richtigen therapeutischen Schritte einzuleiten, planen wir vom langfristigen Ziel rückwärts. Zur Nachhaltigkeit gehört auch eine solide wirtschaftliche Basis, denn nur so können wir unsere Hilfe langfristig und auf hohem fachlichen Niveau anbieten.
Welche Bedeutung haben die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Soziales und Ökologie) für Sie?
Wir sind uns aller drei Felder bewusst. Bei uns steht der soziale Bereich natürlich im Vordergrund – es geht vor allem um unsere Patienten, Mitarbeiter und Partner. Unser Handeln folgt einem christlichen Menschenbild. Der wirtschaftliche Erfolg bildet die Grundlage für unsere Arbeit, ist aber nicht das Ziel. Unser Unternehmen strebt keine Gewinnmaximierung an. Die ökologische Dimension ist in unserem Leitbild verankert, der Umweltschutz hat in unseren Arbeitsabläufen natürlich Bedeutung. Im Verhältnis zu den anderen Dimensionen steht er allerdings nicht so stark im Fokus.
Natürlich ergeben sich zwischen Ökologie, Sozialem und der Ökonomie auch Widersprüche. Am Beispiel Personalschlüssel lässt sich das gut erklären: Wir hätten gerne noch mehr Personal für unsere Patienten – gleichzeitig müssen wir uns das aber auch leisten können. Dass wir insgesamt mit unserer Ausrichtung auf dem richtigen Weg sind, beweist ein Blick auf unsere allgemeinen Krankenhäuser: 2007 waren es drei, 2010 hat sich die Zahl auf sechs verdoppelt. Langfristig wird es einen ganz wichtigen Indikator für unseren Erfolg geben: Wie gelingt es uns, Fachpersonal zu gewinnen und zu binden. Nachhaltigkeit muss sich wie ein Wasserzeichen selbstverständlich durch das tägliche Handeln ziehen integrieren. Das ist unser Ziel; unser Leitbild hilft dabei und steht der Weiterentwicklung und dem Wachstum nicht im Wege.
Welche Rolle spielt Kommunikation für eine nachhaltige Entwicklung?
Im Rahmen einer nachhaltigen Strategie muss Kommunikation wahrhaftig und verlässlich sein. Dazu kommt eine dialogische Ausrichtung. Die Dialogorientierung steht bei uns nicht im Widerspruch zu einer hierarchischen Unternehmensstruktur, da die Unternehmensführung den Dialog wünscht und vorlebt. Im unserem Alltag ist Kommunikation immer präsent. Um eine gute Diagnose stellen zu können, müssen wir den Patienten verstehen. Und für die beste Therapie müssen wir abteilungs- und hierarchieübergreifend kommunizieren. Das ist eine große Herausforderung. Unsere Mitarbeiter müssen wir über die Ziele und Strategie des Unternehmens informieren und mitnehmen. Nur so erzielen wir eine langfristige Identifikation. Die Unternehmensziele werden durch die Geschäftsführung definiert. Bei der Entwicklung der daraus resultierenden Strategien werden Mitarbeiter und Gremien eingebunden.
Welches sind die drei wichtigsten Stakeholder für Niels-Stensen-Kliniken?
An erster Stelle stehen die Patienten. Existentiell wichtig sind weiterhin die Mitarbeiter und die Gesellschafter.
Welche Kommunikationsabteilungen gibt es in Ihrem Unternehmen?
Nur eine: meine Stabstelle. Sie ist auf Geschäftsführungsebene im Verbund angesiedelt. Ich werde dabei von einer Sekretärin und einem freien Mitarbeiter unterstützt. Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Planung der Kommunikation mit den Medien und mit der externen Öffentlichkeit. Die interne Kommunikation ist vielfältig – zum Beispiel verantworte ich die Erstellung der Mitarbeiterzeitschrift. Für die interne Kommunikation ist eine klar strukturierte Regelkommunikation von großer Bedeutung. Die ist bei uns weitgehend beschrieben. Weiterhin bin ich als Leitbildbeauftragter verantwortlich für die Koordination der Leitbildumsetzung – eine Aufgabe, die mir sehr am Herzen liegt.
Welche Stärken und Schwächen hat diese Aufteilung?
Die wichtigste Stärke ist die Position im Organigramm. Meine Position ist der Geschäftsleitung direkt zugeordnet, dadurch habe ich kurze Kommunikationswege und den nötigen Rückhalt. Durch die Nähe kann ich mich aktiv und frühzeitig in die Strategieprozesse einbringen. Als Schwäche sehe ich die begrenzten personellen Ressourcen. Ich bin aber überzeugt, dass sich zusätzliche Investitionen in Personal in Zukunft rechnen werden.
Spüren Sie im konkreten Alltag Auswirkungen des Web 2.0 mit seiner Transparenz und Offenheit?
Die Mehrheit unsere Patienten sind nicht sehr internetaffin, was mit Sicherheit an deren Durchschnittsalter liegt. Wir spüren aber, dass Patienten heute deutlich besser informiert sind. Nicht nur durch das Internet, sondern auch durch die größeren Informationsmöglichkeiten über Printmedien. Zunehmende Bedeutung haben die Bewertungsportale – die Patienten teilen der Öffentlichkeit mit, ob sie mit ihrer Behandlung zufrieden waren. Das Internet spielt eine wichtige Rolle, um Personal zu gewinnen. Wir wollen und müssen Interessenten schnell und einfach Informationen über unser Unternehmen zugänglich machen. Außerdem betreibe ich ein kontinuierliches Monitoring und beobachte Google, Facebook und andere relevante Communities.
Wie beurteilen Sie den OCC-Ansatz?
Ich halte diesen Ansatz für sinnvoll. Kommunkation gebündelt und trotzdem nach innen und außen dialogisch auszurichten, ist eine große Herausforderung. Mir hilft dabei die Verortung als Stabsstelle auf Geschäftsführungsebene und die Funktion als interner „Dienstleister“. Ein wichtiges Merkmal der OCC ist die Stakeholderausrichtung des Unternehmens und damit auch der Kommunikation. Ich glaube, dass die OCC und die Stakeholderorientierung im modernen Sinn ein sehr bedenkenswerter Ansatz sind, wenn man als Dienstleister glaubwürdig auftreten möchte.
